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Dietrich von Amsberg

Erinnerungen an Dietrich von Amsberg (1937-2021)
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Ulrike und Hennig von Alten Ulrike und Hennig von Alten aus Lüneburg schrieb am Februar 26, 2021 um 3:56 p.m.
Erinnerungen an D. v. A. von Ulrike und Hennig von Alten, Lüneburg Als wir 1983 in die Kantorei an St. Johannis eintraten, war schnell klar, dass wir einen persönlich sehr netten und kompetenten Chorleiter gefunden hatten, der voraussetzte, dass wir unseren Alltag mit drei Kindern an die strenge Probenplanung mit zwei Proben in der Woche anpassen mussten. Auch die Jahresplanung musste sich wegen der über das Jahr verteilten fünf großen Oratorien am Chor orientieren. Darauf haben wir uns bald eingelassen, weil sich schon nach den ersten Konzerten herausstellte, mit welchem Engagement, musikalischer Kompetenz und mitreißender Zugewandtheit der Kantor mit seiner Kantorei arbeitete und dass die Aufführungen unter seiner Leitung für uns ein großer Gewinn waren. Bis heute unvergessen ist das „Lüneburger Händel-Fest“ im Februar 1985, auf dem die Oratorien „Israel in Ägypten“ und „Messias“ innerhalb von drei Tagen aufgeführt wurden. Einen Monat später folgte die Matthäuspassion, der Fernsehgottesdienst zum Bach-Händel-Jubiläumsjahr, die 9. Symphonie in Bleckede und im Juni der Elias. Wir sind bis zu seinem Ruhestand knapp 20 Jahre dabei geblieben, haben über 90 Konzerte mitgesungen und dabei eine musikalisch unvergleichlich reiche Zeit erlebt. Die Musik an St. Johannis einschließlich Orgel hat unser Leben bereichert und klingt bis heute in uns nach. Dafür waren und sind wir dem „Meister“ für immer von Herzen dankbar. Ohne ihn wäre dies nicht möglich gewesen. Natürlich waren mit dem Singen auch viele Mühen und Stress verbunden. Oft sind wir heiser aus den Proben nach Hause gefahren. Die genau durchgeplanten Proben vor den Konzerten mit Hauptprobe am Donnerstag, Generalprobe am Freitag ab 15.00 Uhr mit einem Durchlauf waren stets stimmliche und körperliche Herausforderungen. Dann mussten wir im Konzert noch einmal alles geben – das forderte er von sich und von uns. In den Aufführungen mit seinem präzisen, konzentrierten und einfühlsamen Dirigat erzeugte er eine nur in diesen Momenten mögliche Spannung und Stimmung, die zu der hohen Qualität der Konzertabende führte und das Publikum unmittelbar ansprach. Besonders gefiel es ihm, wenn es ordentlich laut wurde (Verdi, Berlioz usw). Das wurde zelebriert. Nach den Konzerten waren wir körperlich geschafft, im Inneren aber mit Glücksgefühlen erfüllt. Natürlich sind in den Konzerten auch Patzer vorgekommen, die später immer seltener wurden. Natürlich waren die Neueinstudierungen von Werken oft zäh und mühsam und das regelmäßige Gottesdienstsingen auf dem Ratslektor im kleinen Kreis herausfordernd (Sind wir überhaupt genug? Das Werk kenne ich noch gar nicht!). Aber das gehörte alles zu seiner Chorarbeit dazu. Dietrich von Amsberg wurde von den Chorsängern hoch geschätzt, von vielen in den weiblichen Chorstimmen wohl auch geliebt. Nur so lässt sich die große Zahl von Sängerinnen und Sängern erklären, die über Jahre und Jahrzehnte treue Chormitglieder blieben. Diese Wertschätzung führte zum Beispiel 1987 auf dem Chorfest anlässlich seines 50. Geburtstags in Gartow dazu, dass diese Feier durch Beiträge aus der Mitte des Chores mit einem Übermaß an Fantasie, Engagement und Einsatz bereichert wurde, die weit über normale Festbeigaben hinaus gingen. Er selbst stand diesen Festen eher distanziert gegenüber, hat dies aber hoffentlich trotzdem bemerkt und genossen. Wir sind durch Herrn von Amsberg reicht beschenkt worden. Das klingt noch heute in uns nach und findet seine Fortsetzung in Freundeskreisen, die aus dem Chor heraus entstanden sind und bis heute bestehen. Wir sind auch sehr dankbar, dass wir nach seinem Eintritt in den Ruhestand und seiner „Flucht“ nach Berlin mit Sophie-Charlotte einen engen freundschaftlichen Kontakt und damit auch zu ihm behalten durften. Mit seinem Tod ist ein Stück unserer Lebensgeschichte zu Ende gegangen.
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