Liebe Frau von Amsberg, liebe Familie von Amsberg,
ich bin im selben Alter (Jg. 1967) wie Ihre Kinder und war seit 1977 erst im Kinderchor, 1979 mit dessen Gründung im Jugendchor und wurde nach meiner Konfirmation 1981 endlich Mitglied der Kantorei, in der auch meine Mutter sang.
Die vielen Proben und zahlreichen Konzerte haben mir viel gegeben. Immer pünktlich begann die Probe, vorher gehörte es sich, am Pult zu erscheinen, sich zu begrüßen und dann den zugewiesenen Sitzplatz einzunehmen.
Das Weihnachtsoratorium 1981 war mein 1. Konzert in der Kantorei. Nachfolgend gab es so viele Höhepunkte, und mein persönliches Highlight war (neben Verdi-, Berlioz- und War Requiem) das „Stundenlied“ von Gottfried von Einem – beim letzten Mal (1994) sang ich es so gut wie auswendig: die „Rose“, „laufts ihr Leut“, „weil er hat die Wahrheit gsprochn“. Es ist mir noch immer im Kopf, als wäre es erst gestern gewesen. Mit meinem Wegzug aus Norddeutschland schied ich zunächst aus der Kantorei aus, jedoch durfte ich noch vereinzelt Konzerte mit nur 1-2 Proben, Wochenendprobe, Haupt- und Generalprobe mitsingen. Auch den „Elias“ (2002), das Abschiedskonzert.
All meine Chorleiter – ich bin heute noch aktive Sängerin - mussten und müssen sich an Herrn von Amsberg messen lassen – keiner hat je sein klares Dirigat erreicht, seine Kommentare, seine Pünktlichkeit und seinen ständigen Drang, uns zum Auswendigsingen zu bringen. Ich strebe heute noch danach, möglichst auswendig zu singen. Damals fiel es mir natürlich leichter.
Ich denke sehr gern an diese Zeit zurück und muss mich nun von unserem Meister verabschieden. Danke, dass ich ein Stück Lebensweg mit ihm gehen durfte.
In Gedanken bin ich auch bei seinen Kindern: Franziska saß so oft an der Orgel bzw. am Continuum, Valentin empfahl mir in Frankfurt den Figuralchor. Mit Eurer Cousine Verena sang ich längere Zeit in der Frankfurter Katharinenkirche, und wir übten gemeinsam die Stücke. Ich wünsche Ihnen und Euch viel Kraft, diese schwere Zeit gemeinsam durchzustehen. In unser aller Erinnerung lebt Ihr Mann und Euer Vater weiter, danke, dass wir auf diesem Weg unsere Gedanken mit Euch teilen dürfen.
In friedvoller Erinnerung, Eure Birgit Buchsteiner