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Dietrich von Amsberg

Erinnerungen an Dietrich von Amsberg (1937-2021)
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Tana Franke Tana Franke aus Hannover schrieb am November 13, 2021 um 6:32 p.m.
Liebe Frau von Amsberg, liebe Familie von Amsberg, auch ich möchte Ihnen als ehemaliges Mitglied der St. Johannis Kantorei mein herzliches Beileid aussprechen und Ihnen weiterhin viel Kraft und Ruhe des Herzens wünschen. Als frisch gebackene Studentin nahm mich im politisch bewegten Herbst 1989 meine Mitbewohnerin mit zum „Bewerbungsgespräch“ für die Kantorei. Ein kurzer Check: Chorerfahrung, Notenkenntnisse und musikalische Grundbildung vorhanden. Vorsingen? „Nicht nötig, Sie werden schon merken, wenn Sie hier nicht richtig sind.“ Nach kurzer Erleichterung folgte der Schock: „In Kürze steht die Aufführung des Verdi-Requiems an, da können Sie ja gleich mit einstiegen.“ Wie sollte das denn gehen? Aber es klappte! In der ersten Reihe, vom Chor hinter mir getragen, erlebte ich eine überwältigende Aufführung. Es folgten viele weitere unter dem Dirigat von Amsbergs und der organisatorischen Begleitung durch seine Frau, die „hinter den Kulissen“ für reibungslose Abläufe und die gute Betreuung der großartigen Solisten sorgte. Für mich herausragend: Das „War Requiem“ mit Thomas Quasthoff und „The Dream of Gerontius“ mit Peter Lika, aber auch die „Messa di Gloria“ von Puccini. Ganz besonders emotional fiel die Aufführung der „Missa Solemnis“ von Beethoven aus. Kurz zuvor wurde unser Dirigent von der Nachricht über die glückliche Geburt seines ersten Enkels überrascht: Da gab es kein Halten mehr und der Dirgentenstab, dem wir im Idealfall bei den Konzerten gebannt folgten, flog plötzlich in hohem Bogen in Richtung Publikum. An einer sanften Stelle des Werkes, nun ohne Stab ganz frei, machten seine Arme dann eine wiegende Bewegung. Das war wirklich sehr rührend anzusehen. Später erzählte er dann einmal begeistert vom „Züge gucken“ mit seinem Enkel am Lüneburger Bahnhof. Stichwort „Züge“: Bei einem der Sommerfeste, bei denen ich dabei sein durfte, gab es plötzlich die Ansage in den Keller zu gehen, wo sich – oh‘ Wunder – die riesige Eisenbahnanlage unseres Chorleiters befand, die mehrstöckig den gesamten Raum ausfüllte. Das war schon überraschend… Ebenso wie Herrn von Amsbergs hin und wieder sehr unvermittelten Äußerungen bei den Proben oder beim Umtrunk über Dinge, die ihn gerade beschäftigten. Seine Erzählung, wie er bei Wind und Wetter als Junge kilometerweit zu Fuß zum Orgelunterricht gelaufen ist, hat sich mir besonders eingeprägt. Ich bin Herrn von Amsberg, aber auch seiner Familie, die dies alles mitgetragen hat, sehr dankbar für diese Zeit, die ich als große Bereicherung erfahren durfte. Tana Franke
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